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Über den Tellerrand zum Renommee

Wie das Ehepaar Gutzeit den Erfolg ins 'Brauhaus Eutin' brachte

Die eigene Bierherstellung im historischen Ambiente führt nicht automatisch zum Erfolg - das hat die Geschichte des prominent am Marktplatz gelegenen 'Brauhaus Eutin' gezeigt.

Das junge Unternehmerpaar Marcus und Martina Gutzeit hat darum nach der Geschäftsübernahme 1999 vieles verändert und auf ein ganz eigenes Konzept gesetzt, das Qualität und Service in den Mittelpunkt stellt. Glück nicht nur für die Gutzeits: Das jüngste Kapitel des Brauhauses erzählt eine Erfolgsgeschichte. Wenn sich der heute 33-jährige Marcus Gutzeit sieben Jahre zurückerinnert, dann lächelt er - schüttelt aber auch unwillkürlich den Kopf. 'Das war schon eine reichlich abenteuerliche Sache. Ob ich das noch mal so wagen würde?'

Husarenstück und Sprung ins kalte Wasser zugleich: Der Groß- und Außenhandelskaufmann, in leitender Stellung in Lübeck tätig, und seine Freundin, die Restaurantfachfrau Martina Nimmich, hatten alles auf eine Karte gesetzt und das heruntergewirtschaftete Prestigeobjekt ersteigert.

Der Wille, es gemeinsam zu schaffen, ist die Grundlage. Und die Liebe beflügelt. Noch während der Eröffnungsfeier, vor sämtlichen Gästen, machte Marcus Gutzeit seiner Martina den Heiratsantrag. So stand die eigene Hochzeit, im Brauhaus gefeiert, wie ein guter Stern am Beginn einer umfangreichen Orientierungsphase. 'Wir wollten nicht allein darauf setzen, als eine von nur acht Gasthofbrauereien in Schleswig-Holstein die Gäste der Stadt zu gewinnen', erinnert sich Marcus Gutzeit.

Auch für die Menschen in der Region sollte das Haus Anziehungspunkt werden. 'Ein kompletteres Angebot, eine echtere Präsentation musste her. Also knieten wir uns rein.' Die Umgestaltung von Innen heraus begann. Dem Bier wurde von neuen Braumeistern wieder Güte und eigener Charakter verliehen.

Die Küche erhielt mit einer umfassenden Tageskarte wesentlich mehr Gewicht. Zusammen mit Küchenmeister Hans Peter von Ohlen entwickelten die Gutzeits eine neue Bandbreite der Gerichte, die heute durchgehend geöffnet zünftige Fleischspezialitäten, Fisch, Vegetarisches und Jahreszeitliches bietet. Selbst gebackener Kuchen für die Kaffeegäste, Kinderteller für die Kleinen - volles Programm.

Stets mit Rat und Tat zur Seite: Die Eltern von Martina Gutzeit, die nach erfolgreichen Jahren in der Lübecker Gastronomie mit nach Eutin gezogen waren. Martina Gutzeit organisierte den Service neu. Gut ausgebildete Kräfte, die nicht nur Beilagen vorlegen können, sondern mit positiver Ausstrahlung wichtiger Teil einer angenehmen Atmosphäre sind, bildeten nach und nach ein festes Team.

Heute gehören 20 Mitarbeiter zum 'Brauhaus' - inklusive der Auszubildenden in Küche und Restaurantfach.

Im Sommer kommen tatkräftige Saisonaushilfen dazu, damit 130 Plätze im Haus, 200 auf dem Markt und noch einmal 150 im Garten bewältigt werden können. Rechte Hand der Gutzeits ist Xenia Goldbach. 'Ohne ein stabiles Team geht es gar nicht', betont der Chef. Er muss es wissen: Inzwischen hat das Wirtsehepaar zwei Kinder und organisiert sich zwischen Anpacken im Betrieb und Windeln-wechseln.

Es ist wohlbekannt, dass die Ostholsteiner nicht leicht zu gewinnen sind. Die Resonanz kam nicht von heute auf morgen. Aber allmählich sprach sich herum, dass sich etwas verändert hatte. Mit den Afterworkpartys, die seit drei Jahren stets am 1. Donnerstag im Monat die Tanzwütigen anlocken, mit Themenabenden und besonderen Bieren für die Eutiner Festspiele und die Schützengilde setzen die Gutzeits Glanzpunkte, die das Brauhaus immer wieder ins Gespräch bringen.

Marcus Gutzeit hat inzwischen selbst gelernt, wie man Bier braut und welche Feinheiten die Küche braucht. Aber seine Hauptaufgabe liegt woanders: 'Ich glaube daran, dass es nicht reicht, wenn der Chef sich mit hinter den Tresen stellt. Er muss hinausgehen, über den Tellerrand gucken und neue Ideen entwickeln, damit das Haus immer etwas Besonderes und Unverwechselbares hat.'